Nachdem die Kostenarten aufgeteilt wurden, werden sie auf die Kostenstellen verteilt. Was Kostenstellen sind, wie sie aufgebaut sind und wie mit diesen Stellen gearbeitet wird erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Das Ziel der Kostenstellenrechnung ist die Bildung von Kalkulations- und Zuschlagssätzen und die Kostenkontrolle.

Was sind Kostenstellen?

Unter einer Kostenstelle wird eine Abrechnungseinheit in einem Unternehmen verstanden. Meistens ist diese Abrechnungseinheit auch eine organisatorische Verantwortungs- und Entscheidungseinheit. Betrachtet man einen Gesamtbetrieb, so wird dieser in Kostenstellenbereiche untergliedert, welche sich in Kostenstellenbereichsgruppen aufteilen, die sich abermals dann in die einzelnen Kostenstellen zerteilen.

Die Gliederung der Kostenstellen erfolgt nach verschiedenen Gesichtspunkten. Die 3 beliebtesten Unterscheidungsmerkmale sind:

  1. Funktion (Material-, Fertigung-, Vertrieb-, Verwaltungsstellen- , Allgemeine und Kostenstellen Forschung und Entwicklung)
  2. Rechnungstechnik, welche aus 2 Unterpunkten besteht
    1. Vorkostenstelle: Kosten dieser Kostenstelle können auf andere Kostenstellen verteilt werden
    1. Endkostenstelle: Kosten dieser Kostenstelle werden mittels eines Verrechnungssatzes auf die Kostenträger (Produkte) verteilt
  3. Produktionstechnik, welche aus 3 Unterpunkten besteht
    1. Hauptkostenstelle: Alle Hauptkostenstellen gehören direkt zum Produktionsprogramm. Die Hauptkostenstellen sind Endkostenstellen.
    1. Nebenkostenstelle: Umfasst alle Kostenstellen, welche als Extraleistung zum Produktionsprogramm gehören. Die Nebenkostenstellen sind Endkostenstellen.
    1. Hilfskostenstelle: Diese Kostenstellen sind nicht direkt am Erstellungsprozess des Produktes beteiligt. Die Hilfskostenstellen sind Vorkostenstellen.

Der Aufbau der Kostenstellen erfolgt dann in Primär- und Sekundärkosten.

Primärkosten

Die Primärkosten werden nach dem Verursacherprinzip (Wer ist schuld, dass die Kosten anfallen?) auf die einzelnen Kostenstellen verteilt. Dabei gibt es Kostenstelleneinzelkosten und Kostenstellengemeinkosten.
Die Kostenstelleneinzelkosten können der Kostenstelle über einen Materialentnahmeschein, eine Lohn- oder Gehaltsliste oder eine Anlagenbuchung direkt zugeordnet werden. Kostenstellengemeinkosten dagegen werden in unechte und echte Kostenstellengemeinkosten unterteilt. Unechte Kostenstellengemeinkosten könnten dem Produkt zwar genau zugerechnet werden, sind in der Erfassung aber zu aufwändig, wie zum Beispiel Energie. Echte Kostenstellengemeinkosten können wirklich keiner Kostenstelle zugeordnet werden. Diese werden dann mit einem Mengen-, Zeit- oder Wertschlüssel auf die Kostenstelle verteilt. Die folgende Grafik gibt einen Kurzüberblick über die Primärkosten.

Die Primärkosten werden dann in einem Betriebsabrechnungsbogen (BAB) erfasst. Für die Gemeinkosten sieht das folgendermaßen aus:

Aus dem BAB werden dann die Zuschlagssätze berechnet. Für jede Kostenstelle (Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb) gibt es am Ende einen Zuschlagssatz. Die Bezugsgrößen für die Zuschlagssätze sind verschieden, daher haben wir eine Kalkulationsgrafik dafür erstellt:

Die Zuschlagssätze für jeden Kostenbereich lauten:

Das  steht für die Herstellkosten gemäß Umsatz, also aller Produkte, die fertig produziert und verkauft worden sind. Wenn ein Hersteller 1000 Schokohasen herstellt aber nur 900 verkauft müssen die Herstellkosten für die 900 Schokohasen verwendet werden.

Sekundärkosten

In den Sekundärkosten werden die Vorkostenstellen auf die Endkostenstellen verrechnet. Das wird innerbetriebliche Leistungsverrechnung oder auch Sekundärleistungsverrechnung genannt. Dafür gibt es einige Verfahren, wovon wir euch die 4 vorstellen wollen.

Die ersten beiden Verfahren sind beides Umlageverfahren, das erste heißt Blockumlageverfahren (auch Anbauverfahren genannt) und das zweite Treppenumlageverfahren (auch Stufenleiterverfahren genannt). Beides mal gibt es einen Vorkostenstellen und Endkostenstellen Block. Die Vorkostenstellen werden dabei auf die Endkostenstellen umgelegt.
Bei der Blockumlage werden die gesamten Vorkostenstellen als 1 Block gesehen und auf die Endkostenstellen umgelegt. Jede Kostenstelle bekommt gleich viel (oder Schlüssel) von diesem Vorkostenstellenblock zugeteilt. Das ist recht ungenau, da eine Vorkostenstelle wie Energie in der Produktion einen viel größeren Kostenteil ausmacht als in der Verwaltung. Daher eignet sich das Blockumlageverfahren nur als grobe Richtschnur.
Bei dem Treppenumlageverfahren werden die Kosten immer auf die Nachfolgenden Kostenstellen verteilt, bis die Kosten nur noch auf die Endkostenstellen verteilt sind. Dadurch lassen sich Leistungsbeziehungen ein bisschen besser modellieren.

Das Verrechnungspreisverfahren verrechnet wie der Name schon sagt den Verrechnungspreis mit den Sekundärkosten. Die Kosten der Vorkostenstellen werden mit Verrechnungspreisen berechnet. Diese werden dann nach einem Schlüssel aufgeteilt und in einer Kalkulationstabelle (siehe unten) ausgeglichen und auf Endkostenstellen verteilt.

Die Summe der gelb markierten Stellen muss dabei genauso groß sein wie das der grün markierten.

Bei dem simultanen Gleichungsverfahren wird jede Leistungsbeziehung in eine Formel gepackt. Am Ende existiert eine Leistungsbeziehung zu einem Kostenträger. Diese kann dann in einer Matrix aufgelöst werden.